Dieses Mal hat das Mitfahren richtig Spaß gemacht – zum ersten Mal, wenn ich ehrlich bin. Und ich bin schon einige Male bei der Critical Mass Bonn mitgefahren. Jeden letzten Freitag im Monat um 18.00 Uhr treffen sich Bonner Radfahrer „rein zufällig“ zwischen Hofgarten und Uni-Hauptgebäude, um dann „ganz spontan“ und ganz gemütlich durch die Stadt zu radeln. Die Route ist vorher nicht festgelegt, sondern die an der Spitze fahrenden Radler entscheiden, ob es geradeaus, links- oder rechtsrum geht. 

Die Critical Mass ist eine weltweite Bewegung, die auf die Belange der Radfahrer aufmerksam machen möchte und Bewusstsein für eine Verkehrswende schaffen will. Streng genommen ist die Critical Mass mehr eine Aktionsform als eine Bewegung, impliziert doch das Wort „Bewegung“ ein minimales Maß an Organisation. Die aber gibt es bei der Critical Mass gerade nicht.

Fest stehen nur der Ort und der Zeitpunkt, häufig kommuniziert durch Facebook und Mundpropaganda. Wer Zeit hat und wem der nicht-motorisierte Verkehr am Herzen liegt, der kommt und fährt mit. Die erste Critical Mass, die diese Bezeichnung trug, fand im September 1992 in San Francisco statt.

In der Kernphysik bezeichnet die „kritische Masse“ die Mindestmasse, die eine Kettenreaktion der Kernspaltung aufrecht erhalten kann. Wo die „kritische Masse“  beim Fahrrad liegt, bestimmt sich in Deutschland – wie sollte es anders sein – nach einem Gesetz bzw. einer Verordnung. Einschlägig ist hier § 27 StVO, nach der mehr als 15 Radler einen geschlossenen Verband bilden und deshalb nebeneinander auf der Straße fahren dürfen. Die Radwegbenutzungspflicht gilt hier nicht. Zudem ist es erlaubt in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel zu fahren, selbst wenn diese zwischenzeitlich auf Rot umschaltet ist. Bei einer großen Critical Mass mit vielen Teilnehmern führt das dazu, dass die Autos, deren Ampel grün zeigt, solange warten müssen, bis der letzte Radfahrer die Kreuzung passiert hat.

Bei meinen bisherigen Fahrten bei der Critical Mass Bonn kam ich mir immer ein bisschen verloren vor. Es geht darum Präsenz zu zeigen. Mit 16 Leutchen auf dem Rad, wie an Karfreitag 2016, ist es mit Präsenz nicht weit her. Wenn dann zwei der Teilnehmer sich auf dem Weg durch die Stadt auf einmal verabschieden, löst sich die Critical Mass in Wohlgefallen auf, mal ganz zu schweigen davon, dass man mit so einer kleinen Anzahl Radlern von den Autofahrern gar nicht wahrgenommen wird.

Das war am letzten Freitag anders. 246 Menschen waren auf ihren Rädern unterwegs. Das ist für Bonn zweifelsohne ein neuer Rekord. Gut sichtbar, über mehrere hundert Meter lang rollte der Fahrradtross durch die Stadt. Langsam wächst diese Aktionsform auch in der Bundesstadt. Aber es ist auch noch viel Luft nach oben …

Impressionen von der Critical Mass Bonn

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Critical Mass Bonn am 30. Juni 2017

 

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