Winterradeln ist nur eine Frage der Kleidung

Saisonabschlussfahrt heißt es im Oktober in vielen Radveranstaltungskalendern. „Die Saison ist vorbei“, tönt es alsbald von allen Seiten. Ich zucke dann jedesmal zusammen. Wie jetzt, wollen diese armen Menschen tatsächlich ihr Fahrrad bis zum Frühjahr wegschließen? Alexandra von andraktiv fragte dieser Tage:„Winterradeln – geht das?“ und rief gleichzeitig zur Blogparade auf.

Sogar ein großer Fahrradhersteller und Online-Händler aus Bocholt will mir das Winterradeln in seinem Newsletter ausreden:

Winterradeln, nein danke: Hallo Joas, Minusgrade, Schnee und volle Straßen – bei diesen Bedingungen will niemand gerne vor die Tür. Damit du trotzdem im Winter trainieren kannst, dreht sich heute alles rund ums Thema Indoortraining.

Winterradeln, nein danke! Das sind seltsame Signale von einem Fahrradhändler …

Zugegeben, ich wohne in einer Region, die nicht unbedingt für ihre harten Winter bekannt ist. Im Gegenteil, das Rheintal im Köln-Bonner-Raum kommt eher milde daher. Wäre Schnee ein Tier, müsste man ihn hier auf die rote Liste bedrohter Tierarten setzen. In den letzten sieben Jahren gab es nach meiner Erinnerung ein einziges Mal eine halbwegs nennenswerte Menge davon. In Eifel, Siebengebirge und Westerwald mag das etwas anders aussehen, aber im Rheintal: Fehlanzeige.

Sich unter diesen Umständen zum Winterradler aufzuschwingen, ist natürlich leicht getan. Dennoch ist dies eine Frage, die auch hier stets aufs Neue aufgeworfen wird. Und kalt werden, kann es tatsächlich auch bei uns – ab und an zumindest.

Längst geklärt

Für meinen Teil kann ich sie aber schnell beantworten. Das Fahrrad ist für mich Verkehrsmittel, Sportgerät, Hobby und Fetisch zugleich, und daher sicherlich kein Saisonartikel. Kurzum, ich käme gar nicht auf die Idee, das Fahrrad zu irgendeiner Zeit des Jahres in die Ecke zu stellen.

Und so banal und abgegriffen es sich anhören mag, es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte oder unpassende Kleidung. Zurecht schrieb Wolfgang Scherreiks, der Chefredakteur von Cycle, in der aller ersten Ausgabe des Magazins, die Frage nach dem Durchradeln stamme aus dem letzten Jahrhundert. Richtig, sie ist längst geklärt.

Der Reiz beim Winterradeln

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich bin ein ausgesprochener Sommerradler. Für mich gib es nichts Schöneres als bei Temperaturen jenseits der 30 Grad auf dem Rad zu sitzen und unter strahlend blauem Himmel durch die Gegend zu flitzen. Ganz klar, ich mag die Hitze lieber als die Kälte.

Dennoch hab ich eine ganze Menge für die kalte Jahreszeit übrig. Bei klirrender Kälte, wenn fast alle in der warmen Stube hocken, Straßen und Wege für mich allein zu haben, hat etwas. Bei mir kommt dann Lonely-Rider-Feeling auf. Als ich Ende 2014 bei – 10 Grad an der Mosel unterwegs war, twittere ich nachts um halb zwölf:

Ich allein „gegen die Elemente“ sozusagen 🙂 Spaß beiseite, das Fahren im Winter ist in erster Linie eine Frage von warmer und bequemer Kleidung. Ich präzisiere etwas, wichtig ist vor allem, dass die Füße halbwegs warm bleiben. Wenn die zu Eisklumpen werden, dann kann man oben noch so warm angezogen sein; das Fahren wird dann zur Qual.

Entweder man schafft sich spezielle Fahrrad-Winterschuhe an oder man greift zu – was etwas günstiger ist – Neopren-Überschuhen. Das mache ich jetzt seit vier Jahren. Im Übrigen schützen sie auch hervorragend bei Regen. Socken aus Merinowolle und Iso-Einlegesohlen runden meinen Winterschutz für die Füße ab.

Mir hat dies für die wenigen richtig kalten Tage bei uns bisher vollkommen gereicht. In einer anderen Region Deutschlands würde ich vermutlich zusätzlich auf Winterschuhe zurückgreifen.

Stimmt die Kleidung, lassen sich die Besonderheiten des Winters genießen. Das ist neben dem Lonely-Rider-Feeling vor allen Dingen auch immer das Licht. Das Farbspiel bei Sonnenauf- und -untergängen ist durch den sogenannten Rayleigh-Effekt wesentlich intensiver als im Sommer.

Winterralen

Winterradeln

Herausforderung Regen

Glätte durch Laub und Eis sind unangenehme Begleiterscheinungen des Winters. Tempo reduzieren heißt hier Devise und eventuell sogar Reifen mit Spikes aufziehen. Seit einigen Wochen habe ich Mäntel mit Spikes in der Garage stehen, sollte der Winter sich wirklich von seiner grimmigen Seite zeigen.

Eine besondere Herausforderung ist der Regen, wenn man tatsächlich jeden Tag mit dem Rad fahren will, zum Beispiel zur Arbeit. Idealerweise hat das Fahrrad dann Schutzbleche. Problem: Ich mag keine Schutzbleche. Sie zerstören das Design und gehen immer irgendwann kaputt.

Aber wer drauf verzichtet, saut sich ziemlich ein. Für eins meiner Räder hab ich mir nun einen Satz Schutzbleche für vorne und hinten zugelegt. Sie liegen im Augenblick unmontiert in einer Ecke der Garage – ein Zustand, der noch andauern könnte …

Richtig gute Tipps für das Fahren bei Regen kann ich nicht geben. Hier bin ich selbst noch auf der Suche. Bei einer Regenhose, die ich kürzlich gekauft habe, klaffte nach einer Fahrt ein riesengroßes Loch im Hosenboden. Nach einer zweiten Fahrt war das Loch gar doppelt so groß. Danach wanderte die 60,- €-Hose in die Tonne.

Via Twitter und Strava habe ich eine ganze Menge Tipps zu Regenbekleidung bekommen. Die werde ich bei Gelegenheit mal in einem Blogpost abhandeln. Denn eigentlich mag ich auch das Radfahren bei Regen, denn da kommt – wen überrascht das jetzt wirklich – so schönes Lonely-Rider-Feeling auf 😀 ha ha

In diesem Sinne: Winterradeln? Na klar!

Rayleigh-Effekt beim Winterradeln

Faszinierende Farben durch die Rayleigh-Streuung. Das hat man so nur im Winter.

Alle Bilder: © Joas Kotzsch

 

6 thoughts on “Winterradeln? Na klar, immer radeln!

  1. Ja bitte, schreib’ was über Regenkleidung! Es würde mich wirklich mal interessieren, wie man sinnvoll gegen die Kälte ankommt, die mit Nässe einhergeht. Oder wie man verhindert, dass Füße trotz gut schließender Überschuhe komplett nass werden…

     
  2. Pingback: Blogparade: Winterradeln – geht das? | AndrAktiv

  3. Als Rad-Pendler würde ich mich auch über einen Post über Regenbekleidung freuen 🙂 Momentan bin ich entweder trotz Jacke und Überhose nass wenn es regnet (gerne auch indem das Wasser vom Helm runter unter die Jacke läuft) oder schwitze mich tot, wenn es regnet, aber nicht sehr kalt ist…

     
  4. Sobald ich hierzu etwas halbwegs Brauchbares mitzuteilen habe, melde ich mich. Bisher hab ich in Kauf genommen, nass zu werden oder einfach gar nicht zu fahren. Gar nicht nass werden, lässt sich wohl nicht vermeiden – zumindest ich werde immer von innen nass, es sei denn, ich bewege mich im absoluten Bummeltempo.

     
  5. Pingback: Ra(n)dnotizen #73 【ツ】 By Schrottie 【ツ】 Altmetall

  6. Pingback: Sicher radfahren im Winter - Radissimo Radreisen-Blog

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