Da stand diese Mutter – halb auf dem Radweg, halb auf dem Gehweg. Beide Bereiche nur durch eine Steinfuge getrennt. In der linken Hand hielt sie eine Zigarette, in der rechten ihr Handy, in das sie seit mehreren Minuten wohl Nachrichten tippte. Immer wenn sie etwas geschrieben hatte, blickte sie aufs Handy, wartete und schrieb dann erneut.

Ihr Kind, ein etwa 6-jähriger blasser Junge, war ganz mit sich beschäftigt. Er hüpfte auf einem Bein um sie herum; von einem imaginären Kästchen zum nächsten, dabei sang er leise sang vor sich hin.

Immer wenn die Mutter an ihrer Zigarette zog, wurden Ihre Augen zu ganz schmalen Schlitzen. Man sah ihr an, dass der Dialog, den sie via Handy führte, kein guter war.

Da kam ein Radfahrer auf dem Radweg angeflogen, mit einem Schlenker auf den Gehweg umkurvte er die beiden und setzte seinen Weg auf Radweg fort. Die Mutter, die ob des vorbeifahrenden Radlers erschrak, obwohl objektiv weder für das Kind noch sie die Gefahr einer Kollision bestanden hatte, griff nach dem Arm des Kindes und riss es mit einem heftigen Ruck zu sich rüber.

Mit schmerzerfüllten Gesicht, aber ganz still, fasste sich das Kind an die Schulter und blickte die Mutter nur erschrocken an. Es verstand nicht, was es falsch gemacht hatte. Damit aber nicht genug, denn die Mutter fauchte ihr Kind an:

Bleib hier, sonst bist Du gleich tot.“

Bei diesen Worten zuckte es gleich ein zweites Mal zusammen und Entsetzen machte sich in seinem Gesicht breit …

Armes Kind.

 

3 thoughts on “… sonst bist Du gleich tot!

  1. Leider wahr: wenn sie nicht im SUV vor Kita und/oder Schule auf und ab fahren, sind solche Mütter die meiste Zeit mit dem Handy beschäftigt – ähnliche Situation heuer auf dem Taubertal-Radweg erlebt: Mutter in Jogging-Klamotten steht in der Mitte und tippt auf dem Handy rum, Tochter blockiert mit ihrem Rad querstehend den Radweg. Die Kleine trifft kein Vorwurf, sie muss noch lernen, auf andere Acht zu geben – aber von wem? Die Mutter war minutenlang abwesend, und das auf einem doch zuweilen stark frequentierten Radweg, in einer Senke, wo Radfahrer naturgemäß recht schnell ankommen … auch da dachte ich nur: Armes Kind …

     
  2. Mütter, Väter, Söhne, Töchter, Opas und Omas – auf dem Radweg, im Auto, beim Laufen… Das smartphone als moderner Götze. Arme Menschen, die nicht mehr im Hier und Jetzt unterwegs sind.

     

Kommentar verfassen

Ich benutze Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.
%d Bloggern gefällt das: