Vor 4 Jahren hab ich es mir zur Angewohnheit gemacht, morgens mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Das müsste ich eigentlich gar nicht, weil ich überwiegend aus dem Homeoffice arbeite. Trotzdem setze ich mich, soweit keine frühen Kundentermine anstehen, fast jeden Morgen aufs Rad und drehe meine Radrunde, meist irgendetwas zwischen 20 und 38 Kilometern, je nach Lust, Wetter und verfügbarer Zeit. 

Dabei gehe ich den Tag schon gedanklich durch: sortiere, strukturiere und denke über anstehende Aufgabenstellungen und Kundenanfragen nach. Tatsächlich schaffe ich auf meinem Radweg zum Schreibtisch schon eine ganze Menge. Hinzu kommt, dass die körperliche Aktivität sich positiv auf meine Kreativität auswirkt. Dies ist in meinen Fall nicht verkehrt, denn ich bin der Werbebranche tätig.

Und noch einen positiven Effekt habe ich festgestellt. Seit ich jeden Tag auf dem Rad sitze, hab ich keine Erkältung mehr. In der Zeit davor, hat es mich jedes Jahr zwei bis dreimal erwischt. Ich weiß, nur eine Kleinigkeit, aber eine, die ich persönlich zu schätzen weiß.

Obwohl ich jeden Tag eine unterschiedliche Strecke fahren könnte, weil ich ja nicht von A nach B muss, drehe ich immer die gleiche Runde am Rhein entlang, weil ich auf dieser Strecke keinen Autoverkehr habe. Von mir bis zum autofreien Radweg am Rhein sind es genau einen Kilometer. Ich habe also jeden Morgen nur zwei Kilometer, die ich mit Autos teilen muss, der Rest ist dann autofrei.

Was allerdings nicht heißt, dass man nicht mehr aufpassen muss ;), denn auch der Radverkehr am Rhein hat so seine Tücken. So scheint es in letzter Zeit unter den Radfahrern einige zu geben, die selbst auf dem Fahrrad nicht von ihrem Smartphone lassen können und denken, dass die anderen Verkehrsteilnehmer wohl schon aufpassen werden.

Ich habe auch schon mal mit anderen Strecken experimentiert, zum Beispiel, wenn es mir darum ging, ein paar Höhenmeter zu machen. Dann muss ich aber auf der Straße fahren, wo auch Autos unterwegs sind. Davon hab ich ganz schnell wieder Abstand genommen und mich meiner Rheinrunde zugewandt, die ich hier mit ein paar Stationen zeigen möchte:

Impressionen: Mit dem Rad zur Arbeit

Station 1: Runter zum Rhein

Nach nur einem Kilometer hab ich die autofreie Zone erreicht. Der Rhein liegt vor mir. In 95 Prozent der Fälle fahre ich die Runde im Uhrzeigersinn. Am Rhein angekommen, geht es also linksrum.

Mit dem Rad zur Arbeit: Runter zum Rhein

Station 2: Friedrich-Ebert-Brücke

Einen guten Kilometer fahre ich flußabwärts bis zur markanten Friedrich-Ebert-Brücke, die alle in Bonn (leider) nur die Nordbrücke nennen. Hier wechsele ich die Rheinseite.

Mit dem Rad zur Arbeit Station 2. Friedrich-Eber-Brücke im Bonner Norden

Station 3: Jüdischer Friedhof in Schwarzrheindorf

Gleich nach der Brückenüberquerung liegt vor mir ein alter jüdischer Friedhof. Das älteste Grab stammt aus dem Jahr 1623, das jüngste von 1956. Sogar ein Christin liegt hier begraben. Das rheinische Judentum, wenig orthodox, erlaubte hier eine Ausnahme. Für die Bonner: Einmal im Jahr, so im August, gibt es hier eine Führung, die mit unzähligen, hochspannenden Geschichten zur jüdischen Vergangenheit in Bonn gespickt ist. Die lohnt sich. 

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Station 4: Rheinufer Bonn Beuel

Auf dem Rheindamm geht es Richtung Bonn Beuel vorbei an der Kennedybrücke, der Hauptverkehrsader zwischen den beiden Bonner Seiten. Gerade letzte Woche war zu lesen, wie intensiv diese Brücke auch von Radfahrern genutzt wird. Mehr als 1,1 Millionen Radler haben in diesem Jahr bisher die Kennedybrücke gequert. Das sind über 4.000 Radfahrer pro Tag.

Bald nach der Kennedybrücke ist auf der anderen Rheinseite der Posttower und das ehemalige Abgeordneten Haus, der Lange Eugen, zu sehen,  der heute von der UNO genutzt wird.

Mit dem Rad zur Arbeit: Auf dem Rheindamm nach Bonn Beuel 6-mit-dem-rad-zur-arbeit 7-mit-dem-rad-zur-arbeit

Station 5: Konrad-Adenauer-Brücke

Die nächste Brücke, die Konrad-Adenauer-Brücke, die rund 5 km von der Fridrich-Ebert-Brücke entfernt ist, bringt mich wieder auf die andere Rheinseite. Hinter der Konrad-Adenauer-Brücke schließt sich das nahe Siebengebirge an. Ein Anblick, den ich bei der Fahrt über die Brücke jedesmal sehr genieße.

Mit dem Rad zur Arbeit: Die Konrad-Adenauer-Brücke

Station 6: Rheinauen

Wenn ich die andere Seite erreicht habe, bin ich mitten in den Bonner Rheinauen, die es in dieser Form seit 1979 gibt, als hier die Bundesgartenschau stattfand. Diesen Teil meiner morgendlichen Radrunde mag ich besonders gerne.

Wenn ich in den Rheinauen den Rückweg antrete, lande ich am Ende bei  20 Kilometern.

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Station 7: Richtung Plittersdorf, Bad Godesberg und darüber hinaus

Meist treibt es mich jedoch noch „ein bisschen“ weiter. In der Höhe von Plittersdorf taucht auf der anderen Seite das Siebengebirge mit Petersberg und Drachenfels auf.

Ich passiere das Rheinhotel Dreesen, in dem Chamberlain und Hitler bei ihrem 2. Treffen während der Sudetenkrise konferierten und das später der Sitz des französischen Hohen Kommissars war.

Maximaler Endpunkt meiner morgendlichen Radtour ist der Campingplatz Siebengebirgsblick mit Biergarten, – direkt schräg gegenüber vom Drachenfels – und der schon in Rheinland-Pfalz liegt.

10-5-mit-dem-rad-zur-arbeit 11-mit-dem-rad-zur-arbeit 12-mit-dem-rad-zur-arbeitBis zum Campingplatz Siebengebirgsblick, schräg gegenüber vom Drachenfels.

Station 8: Rückfahrt

Zurück nehme ich dann den gleichen Weg, den ich gekommen bin. Wenn ich die Rheinauen passiert  habe, geht es unmittelbar vorbei an Posttower und Langem Eugen, die ich vorher schon von der anderen Seite gesehen habe. Es folgen zahlreiche weitere Gebäude der alten Bonner Republik: Da gibt es das alte Wasserwerk, dessen Pumpenhaus von 1986 bis 1992 den Plenarsaal des Deutschen Bundestags beheimatete, die Villa Hammerschmidt (Zweitsitz des Bundespräsidenten) und das ehemalige Außenministerium, um nur einige zu nennen.

Jeder Meter dieses letzten Abschnitts  atmet Geschichte. Die Strecke führt vorbei an der Schule meiner Tochter, die Ludwig van Beethoven schon besucht hat. Direkt nach der Kennedybrücke kommt ein Mahnmal zur Erinnerung an die alte Synagoge in Bonn, die in der Reichspogromnacht zerstört wurde.

Vorbei am alten Bundestag geht mein Weg zur Arbeit.13-mit-dem-rad-zur-arbeit 14-mit-dem-rad-zur-arbeit 15-mit-dem-rad-zur-arbeit

 Station 9: Kölnstraße

Auf den allerletzten Metern hat mich der Autoverkehr wieder. Über die Kölnstraße, die fast täglich, an ihrem Stau erstickt, geht es zurück nach Hause.

Stau auf der Kölnstraße auf meinem Weg zur Arbeit
Den gesamten Streckenverlauf aus der Vogelperspektive könnt Ihr Euch hier noch einmal anschauen:


Diese Video entstand über den Service von Relive.cc

Fazit

Ich mag diesen Weg zur Arbeit, unter anderem deshalb, weil die Stimmung am Rhein jeden Tag anders ist. Ich fahre diese Runde wirklich viel, daher hab ich sie hier vorgestellt. Natürlich geht es auch mindestens einmal in der Woche mit dem Rad in die Agentur nach Köln. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

One thought on “Mit dem Rad zur Arbeit 

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