Auf den ersten Blick führt der Titel dieses eindrucksvollen Bildbandes ein wenig in die Irre, denkt man doch bei Tourleben zunächst (nur) an die Tour de France. Aber hier geht es um viel mehr. In Tourleben werden vier Jahrzehnte Radsportfotografie vom Feinsten präsentiert. Vom Bahnrennen über Querfeldein-Wettkämpfe bis hin zu den großen Klassikern und den Rundfahrten, von allem ist etwas dabei. Alle Bilder stammen aus den Kameras von Hennes Roth.

Tourleben: Radsportfotografie vom Feinsten

In der Radsportszene ist Hennes Roth eine Fotografenlegende. Es gibt keinen Fahrer, der ihn nicht kennt. Viele hat er von der Jugend an begleitet. Über 40 Jahre hat Hennes Roth kleine und große Rennen mit seiner Kamera dokumentiert. Gewidmet hat Hennes Roth diesen Bildband seinem Vater, der ihn zum Radsport brachte, und seiner Frau, die zuhause und im Büro die Stellung gehalten hat und sich um die Verteilung seiner Bilder an die Redaktionen gekümmert hat.

An vielen seiner Bildern bleibt man einfach hängen, weil es so viel zu entdecken gibt. Da ist der stürzende Fahrer auf dem Kopfsteinpflaster von Paris – Roubaix, genau in dem Augenblick eingefangen, bevor er auf den Boden schlägt, da ist die am Straßenrand entsetzt blickende Zuschauerin und das im Hintergrund heranrauschende Motorrad …  Seine Bilder erzählen Gesichten, oft auch abseits des Renngeschehens.

Der Bildband dokumentiert eindrucksvoll den Wandel der Zeiten. Natürlich haben sich Fahrradtechnik und Trikots radikal verändert, aber es sind auch die Sitten und Abläufe, die davon betroffen sind. Während noch in den 90ern Teile des Peletons bei der Tour de France an einem Dorfbrunnen Halt machte, um ihre Wasserflaschen aufzufüllen, ist dies mittlerweile undenkbar.

Zu meinen Lieblingsbildern gehört eine seiner ganz frühen Aufnahmen. Da stülpt sich bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 1969 ein Fahrer einen Eimer Wasser über den Kopf. Genau diesen Augenblick hält der damals erst Neunzehnjährige fest. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort gilt nicht nur für die zahlreichen Bilder, sondern auch für die Karriere des Hennes Roth. Er hat eine Chance bekommen und er hat sie ergriffen.

2001 gewinnt Hennes Roth den Sven-Simon-Preis (ein Pseudonyom von Axel Springer jr.) mit dem das beste Sportfoto des Jahres seit 1999 ausgezeichnet wird. 4 Jahre später belegt er den zweiten Platz. Das spricht für sich.

Ein ausführliches und ebenso einfühlsames Vorwort von Rainer Sprehe vom Covadonga Verlag rundet diesen Band ab. 2013, mit 63 Jahren, hat sich der junggebliebene Hennes Roth zur Ruhe gesetzt. Ein Entschluss, an dem es auch nichts zu rütteln gab, wie er im unten stehenden Interview bekundet. Ganz von der Bildfläche verschwinden wolle er dennoch nicht. Das hat er mit Tourleben eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Tourleben – Vier Jahrzehnte Radsportfotografie; von Hennes Roth, Bielfeld 2016, Covadonga Verlag, 45,- €

Unterwegs mit Hennes Roth

 

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