Die Frühjahrsklassiker sind vorbei. Es sind die wichtigsten Eintagesrennen im Profiradsport, die im Frühjahr vor der ersten dreiwöchigen Rundfahrt, dem Giro d’Italia, ausgetragen werden. Dazu zählen unter anderem Mailand – Sanremo, die Flandernrundfahrt, Paris – Roubaix und Lüttich – Bastogne –Lüttich. Die letzten drei zeichnen sich durch ihre Kopfsteinpflaster-Passagen aus. Bei Paris – Roubaix, der Hölle des Nordens (Nomen est omen), müssen die Fahrer immerhin rund 50 km über diesen Untergrund fahren. Und das dortige Kopfsteinpflaster ist zum Teil von der übelsten Sorte: extrem grob, mit einer starken Rundung der Oberfläche und tiefen Fugen zwischen den Steinen.

Kopfsteinpflaster

Ich eier über das Kopfsteinpflaster (Bild: Markus Be)

Ich bin dieses Jahr auch schon über Kopfsteinpflaster gefahren, ca. 100 m (hüstel). Das war bei Col d’Hahnheide. Da gab es einen kurzen Abschnitt, der ebenfalls sehr grob war. Die Erschütterungen über dieses kurze Stück waren so stark, dass dabei mein kleines, rundes Rücklicht auf der Strecke blieb. Es muss aus der Gummihalterung herausgefallen sein, während ich mehr als unbeholfen im Schneckentempo über dieses kurze Stück Kopfsteinpflaster hoppelte.

Ich verabscheue diesen Belag zutiefst und kann es beim besten Willen nicht verstehen, wie man sich dies freiwillig antun kann. Denn diese Kopfsteinpflastertorturen gibt es nicht nur für die Radprofis, sondern auch für Normalfahrer wie mich. Der Bloggerkollege Boris Hendrik von Unterlenker.com hat eindrücklich beschrieben, wie er die Cobble-Stones empfunden hat.

Bei Kopfsteinpflaster hab ich immer gleich schon doppelt Schmerzen. Einmal weil ich mich beim Fahren über diesen Belag gedanklich immer schon stürzen sehe. Was muss das wehtun, wenn Du hier jetzt stürzt – ein vorweggenommener Schmerz sozusagen. Vielleicht resultiert dieses antizipierte Aua aus einer tatsächlichen Erfahrung in Köln, als ich mit prall gefüllten, grobstolligen Mountainbikereifen von glatter Teerstraße auf ein nasses Kopfsteinpflasterstück kam und sofort wegrutsche und auf den Boden knallte. Damals wurde mir vor Schmerz kurz schwarz vor Augen.

Den anderen Schmerz hab ich, wenn ich an das Material denke. Welchen Kräften sind Felgen, Rahmen und Gabel auf diesem Untergrund ausgesetzt? Auch das tut weh, mir zumindest. Sicherlich ist es nicht ganz unwesentlich, ob man mit einem Alu-, Carbon- oder einem Stahlrahmen über Kopfsteinpflaster fährt. Dabei ist Aluminium aufgrund der miserablen Dämpfungseigenschaften die weitaus schlechteste Wahl.

Bei all meinen letzten Kopfsteinplfasterstücken war ich jeweils mit einem Aluminiumrahmen unterwegs. Für mich definitiv nicht vernünftig fahrbar. Eine absolute Tortour und ganz unabhängig von der Länge.

Im Französischen heißt Kopfsteinpflaster: „Pavé“. Wie unpassend. Bei dem Wortklang denke ich eher an etwas, was so glatt ist wie ein Kinderpopo. Auch der englische Begriff „Cobble stones“ vermittelt für mich klanglich nicht das, was eine Fahrt über Kopfsteinpflaster bedeutet. Ganz weit weg ist für mich das Portugiesische: Kopfsteinpflaster heißt hier „Paralelepípedo“. Hört sich für mich nach Clowns und Zirkus an, aber nicht nach Tortour, Erschütterung und Schmerzen. Beim deutschen „Kopf  – Stein – Pflaster“ schwingt das alles für mich mit.

Aber irgendwie denke ich doch, dass ich einmal so einen Frühjahrsklassiker mit Kopfsteinpflaster mir antun ausprobieren muss …

 

6 thoughts on “Kopfsteinpflaster

    • Danke für die Anmerkung, Jochen. Deine Schreibweise find ich typografisch auch noch besser. Habe ich übernommen.

       
  1. Auf dem Papier sind das so klangvolle Namen. Wenn ich dann aber mal ungewollt über Pflaster hüpfe (anders kann ich das nicht bezeichnen), von denen es hier im Brandenburgischen recht garstige gibt, bin ich nur am Fluchen. Das portugiesische Wort ist ja wohl entstanden, als jemand beim Drüberholpern “Pavé” rufen wollte.
    Falls Du im nächsten Jahr mal wieder einen ersten oder letzten Zug zu einer Veranstaltung nehmen willst, bietet sich vielleicht dies hier an: http://www.hoelle-des-ostens.de/. Col d‘Hahnheide meets Frühjahrsklassiker
    🙂

     
    • Danke für den Tipp mit der Hölle des Ostens, Takeshi. Das werde ich mir merken. Bei diesem schönen Veranstaltungsplakat muss ich da eigentlich mitfahren, auch sowas zählt … Kommt auf jeden Fall auf meine Liste. Ich glaub, ich hab davon aber auch schon mal gelesen. Pavé –> Paralelepípedo … he he schöne Erklärung 🙂

       
      • Ich bin versucht zu schreiben, dann treffen wir uns da – aber nein, ich schreib’s nicht. 40 km Paralalelyse, sonst noch was… 😉

         
        • Tja, es könnte gut sein, dass ich mich danach verfluchen werde … ich hab die Hölle des Ostens nun einfach mal vorgemerkt.

           

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