Brevet Paris Brest Paris

Brevet ist französisch und heißt so viel wie Prüfung. Als Brevets werden Langstreckenfahrten mit dem Rad bezeichnet, die ab 200 km beginnen. Das älteste Brevet der Welt ist Paris – Brest – Paris, kurz PBP. Das sind 1.200 Kilometer. Es wird seit 1891 ausgetragen und ist damit 12 Jahre älter als die Tour de France. Alle 4 Jahre findet diese Veranstaltung statt, die ausdrücklich kein Rennen ist, sondern „nur“ innerhalb einer bestimmten Zeit absolviert werden muss. 90 Stunden, also 3 Tage und 18 Stunden, hat man dafür Zeit. Die schnellsten Fahrer schaffen die 1.200 km in rund 44 Stunden.

Michael Reis-Müller (Buch & Regie) und Produzent Ole Hellwig haben einen Film über diese legendäre Veranstaltung gedreht und drei Teilnehmer, eine Frau und zwei Männer, aus Deutschland begleitet. Aus aller Herren Länder kommen die Teilnehmer, die sich als Randonneure (franz. für Wanderer) bezeichnen. Die Teilnehmerzahlen sind beständig gestiegen. Während 1975 noch 667 Randonneure am Start standen, waren es 1983 bereits über 2.100 Teilnehmer aus 15 Ländern. 2015 zählte das Starterfeld knapp 6.000 Teilnehmer aus 150 Nationen. Zur Teilnahme an Paris – Brest – Paris muss man sich qualifizieren. Im Veranstaltungsjahr sind vorher insgesamt vier Brevets über die Distanzen 200, 300, 400 und 600 Kilometer zu fahren.

Brevet from CURLYPICTURES on Vimeo.

Dreimal hab ich mir den Film jetzt angeschaut. Jedesmal mit den gleichen Symptomen: Gänsehaut, erhöhter Herzschlag und Bauchkribbeln. Es ist ein Film, der mir den Atem verschlagen hat.

Sina Witte, Michael Kopmann und Claus Czycholl heißen die drei Teilnehmer, die der Film auf ihrer Abenteuerfahrt Paris – Brest – Paris begleitet. Mit 36 Jahren ist Michael Kopmann der jüngste im Bunde, gefolgt von Sina Witte mit 38 Jahren und Claus Czycholl, der immerhin schon 72 Jahre auf dem Buckel hat. Erschwerend kommt hinzu, dass eine seiner Nieren dem Krebs zum Opfer gefallen ist. Er war unter anderem Streetworker auf St. Pauli und steht vor seiner 7. Teilnahme bei PBP.

Neben eindringlichen Landschaftsbildern, Radfahrszenen und ganz viel PBP-Atmosphäre lebt der Film durch diese drei Langstrecken-Verrückten. Es sind die O-Töne, die auch von anderen Teilnehmern immer wieder eingespielt werden, die den Film so sehenswert machen und mich im Fernsehsessel dauerstrahlen lassen.

„Sonst könnt man ja auch zuhause aus dem Fenster gucken und warten bis der Tag rum ist … “
Claus Czycholl

Brevet Paris Brest Paris fahren

„Das ist unser Schlafzimmer. Also Victor und ich schlafen hier oben und unter uns schlafen unsere Fahrräder.“
Sina Witte

Auch beim dritten Schauen entdecke ich immer noch Neues und ich wundere mich, mit welchen Rädern manche Teilnehmer unterwegs sind: verrostet, mit 3-Gangschaltung, 79 Jahre alt und vor dem Sperrmüll gerettet … Lakonisch meint der Fahrer: „It’s okay. And it is very original.“

Klasse übrigens auch die Musik (Digger Barnes), die die Dokumentation begleitet und diesen Film wunderbar abrundet. Auf den Punkt gebracht hat es für mich Harald Legner, der, glaube ich, irgendwo bei Facebook schrieb: „Nach dem Film möchte man sich sofort auf’s Rad setzten und 1.200 km fahren.“ Recht hat er.

Alle Bilder: Screenshots vom Film (CURLYPICTURES)

 

3 thoughts on “Ein Brevet fahren oder aus dem Fenster schauen und warten bis der Tag rum ist?

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