Jahresabschlusstour-2014-Titel

Einer der Beweggründe für dieses Blogs war es, meine längeren Touren zu dokumentieren und Bildern und Eindrücken einen festen Ort zu geben. Wenn sie einfach nur irgendwo rumliegen, sei es in der eigenen Erinnerung oder auf der Festplatte, drohen sie hier wie da unterzugehen. Zu meinen extremeren Touren, an die ich immer wieder denken muss, gehört aufgrund der äußeren Bedingungen meine Jahresabschlusstour 2014, die ich vom 29. auf den 30.12.2014 gemacht habe.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die jährlich zwischen Weihnachten und Neujahr stattfindende Festive500, bei der man innerhalb von 8 Tagen 500 km mit dem Rad zu absolvieren hat, in einem Rutsch zu fahren. Auf Twitter gibt es für dieses Vorhaben den schönen Hashtag #inonego. Das Wetter wollte aber zwischen den Tagen 2014 nicht wirklich mitspielen. Den Start hatte ich für Samstag, den 27.12. geplant. An diesem Tag war es bewölkt, Temperaturen um die null Grad und am Vormittag setzte leichter Schneefall ein. Mit anderen Worten: so überhaupt keine Bedingungen für eine Rennradtour, noch dazu für 500 km an einem Stück. Ich verschob die Tour auf Sonntag.

Später Start

Zum Glück hatte es entgegen der Wettervorhersage am Samstag nicht weiter geschneit, dafür war das Thermometer deutlich unter null gefallen. Die minus 7 Grad am Sonntagmorgen fand ich knackig kalt; dafür blickte ich in einen strahlend blauen Himmel, an dem nicht ein Wölkchen zu sehen war.  Dennoch war ich unentschlossen. Von den 500 km hatte ich mich gedanklich schon verabschiedet. Daher erstmal ein ausgiebiges Frühstück. Um 10.00 Uhr fing ich langsam an, meine 7 Sachen zusammenzupacken. Dann eben kein #inonego, aber 200+ sollten es schon werden. Um 12 Uhr bei immer noch strahlendem Wetter saß ich endlich auf dem Rad.

Erst Rhein, dann Mosel

In Ermangelung einer Fahrradnavigation hatte ich die Streckenführung denkbar einfach gewählt. Die zwei Flüsse, Rhein und Mosel, sollten das Navi ersetzen: von Bonn den Rhein hoch bis nach Koblenz zum Deutschen Eck und dann die Mosel entlang … Um die 500 km vollzumachen, hätte ich bis Trier fahren müssen und wieder zurück. Doch davon hatte ich mich ja schon verabschiedet.

Das kalte aber strahlende Wetter lud zum Fotografieren ein. Oft frage ich mich, wie viel Zeit mich meine Fotostopps so kosten. Da geht ganz schön Zeit drauf, der Schnitt geht in den Keller und der Fahrrhythmus wird unterbrochen. Aber Bilder will ich dann doch nicht missen.

Jahresabschlusstour-2014-Bad-Breisig

In Bad Breisig Fotostop Nr. 1

 

Jahresabschlusstour-2014

Blick auf die andere Rheinseite kurz vor Namedy.

 

Am Deutschen Eck

Nach zweieinhalb Stunden erreiche ich das Deutsche Eck in Koblenz. Hier mündet die Mosel in den Rhein. 65 km sind gefahren, knapp 26 km pro Stunde. Ich mache Halt auf der Balduinbrücke, die über die Mosel führt, Rhein und Deutsches Eck nur wenige Meter entfernt, immer noch strahlend blauer Himmel, aber schweinekalt. In der einen Trinkflache, die keine Isolation hat, ist das Wasser gefroren.

Jahresabschlusstour-2014-auf-der-balduinbrücke

Die Balduinbrücke ist die älteste erhaltene Brücke in Koblenz. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Entlang der Mosel

Ich wähle das rechte Ufer der Mosel, weil auf dieser Seite die Sonne zuletzt verschwindet. Noch scheint sie mir ins Gesicht, wenn auch von ihrer Wärme so gut wie nichts zu spüren ist. Auch hier mache ich immer wieder Fotostopps. Die Orte an der Untermosel sind mir alle bekannt: Winnigen, Dieblich, Kobern-Gondorf, Oberfell … In Zeit, in der ich in Koblenz in einem großen Aluminium-Konzern gearbeitet habe, bin ich oft hier gewesen. In Alken spüre ich auf einmal wie das Fahrverhalten schwammiger wird. Klar, ein Plattfuß bei solchen Temperaturen gehört natürlich dazu. Gerade noch vor Einbruch der Dämmerung ist der Schlauch ausgetauscht. Knapp 100 Kilometer bin ich gefahren. Nun ist es auch zu dunkel, um zu fotografieren. So hält mich das nicht mehr auf – nicht so sehr zumindest 😉 , denn Fotos kann man ja auch im Dunkeln machen.

Jahresabschlusstour-2014-Plattfus

Plattfuß 🙁

Jahrsabschlusstour-Dämmerung

Schnee

Die Temperaturen fallen weiter. Von den beiden Mittelgebirgen Hunsrück und Eifel rechts und links Mosel scheint die Kälte nur so herabzustürzen. Jetzt ist auch die isolierte Flasche komplett eingefroren. Keinen Tropfen krieg ich da mehr raus. Dennoch treibt es mich weiter. 300, vielleicht auch mehr Kilometer sollen es auf jeden Fall werden. Ich fühle mich noch richtig gut. Warum bin ich nur so spät losgefahren – was hätte ich schaffen können, wenn ich nur ein bisschen früher gestartet wäre?

Jahresabschlusstour-2014-Schnee

In Treis-Kaden wechsele ich auf die andere Seite der Mosel und damit liegt auf einmal auch Schnee auf der Straße. Nicht viel, aber mit meinen dünnen Rennradreifen kein so beruhigendes Gefühl. Zumindest ist es nicht rutschig wie ein paar Bremstests ergeben. Doch je weiter ich fahre, desto mehr Schnee liegt auf der Straße. Als ich Cochem erreiche und das Wahrzeichen der Stadt, die Reichsburg, in der Höhe liegen sehe, denke ich, jetzt ist es gut, komm kehr um. Aber hier dann einfach umdrehen, kann ich dann doch nicht. Irgendwie zieht es mich weiter. Zumindest noch bis zum nächsten Ort möchte ich fahren. Was kommt wohl nach Cochem?

Jetzt wird’s ernst

Ich muss innerlich lachen, als ich das Ortsschild erreiche. Ich bin in Ernst! Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Nach Ernst fahre ich immerhin noch 10 km Richtung Trier, bis Ediger-Eller. Dort halte ich an und mache Rast. Ich schlürfe die in der Thermoskanne mitgebrachte heiße Suppenbrühe. Obwohl ich auf süß stehe, habe ich bei so langen Touren irgendwann die Nase voll von diesen ganzen süßen Riegeln. Da tut so eine salzige Suppe richtig gut. Ich trete den Rückweg an, denn die Straße Richtung Trier wird immer unbefahrbarer für ein Rennrad.

Jahresabschlusstour -2014-Ernst

Zurück in Koblenz

In Cochem halte ich kurz an an einer Tankstelle und schlürfe einen heißen Kaffee, auch in der Hoffnung, meine gefrorenen Wasserflaschen aufzutauen – leider vergeblich, die bleiben gefroren. Dann treibt es mich zurück. Nur noch wenige Autos sind auf der Straße. Irgendwann gegen Mitternacht bin ich zurück in Koblenz. Abermals mache ich Halt auf der Balduinbrücke. Das nahe Rheintal treibt die Temperaturen nach oben: Nur noch minus 7 Grad 😀 212 km habe ich auf der Uhr. 90 km will ich noch fahren, damit ich die 300 knacke, das heißt. ich muss Bonn und mein warmes Bettchen erst noch einmal links liegen lassen.

Jahresabschlusstour 2014 Auf der Balduinbrücke in Koblenz

Irgendwie schon bekloppt, was ich hier mache, so mitten in der Nacht bei diesen Temperatruen druch die Gegend fahren. Via Twitter witzel ich, warum mir kaum noch Radfahrer entgegenkommen …

 

Ausgedörrt

Am Rhein läuft’s weiter gut. Koblenz – Bonn ist ja auch nur ein Katzensprung. Und doch fühlt sich etwas nicht gut an. Es ist mein Kopf. Ich bemerke Kopfschmerzen. Die habe ich sonst nie. Ich sitzte auf dem Rad  an der frischen Luft, wo kommen die denn jetzt her? Auf einmal dämmert´s mir. Durch die eingefrorenen Trinkflaschen habe ich seit Stunden nichts getrunken. Die Kälte ließ mich meinen Durst nicht spüren. Jetzt merke ich, wie ausgedörrt ich bin. Blöd nur, dass nachts um 1 Uhr so richtig viel nicht mehr geöffnet ist. In Andernach schließlich komme ich an eine Tankstelle, die 24 Stunden geöffnet hat:  Einen Liter Wasser, ein Redbull und eine Cola kippe ich in mich. Rund 45 Minuten dauert meine Pause.

Schnee, die zweite

Je näher ich Bonn komme, desto wärmer  wird es. Knapp unter null Grad sind es, als ich Bad Breisig erreiche. Und es riecht nach Schnee. In Rolandswinter fängt es an zu schneien. Erst leicht, dann werden die Flocken immer dicker und dichter. Ich schalte mein Licht, eine IXON IQ Premium Sport – ich liebe diese Lampe – eine Stufe runter, weil ich sonst nur eine weiße Wand vor mir habe. In der Höhe von Bad Godesberg liegt der Schnee fast 5 Zentimeter hoch. Jetzt wird’s tatsächlich auch noch rutschig. Egal, irgendwie muss ich die 300 km jetzt noch erreichen. Ich passiere Bonn, fahre an der Mondorfer Fähre vorbei bis nach Widdig. Dann drehe ich um, denn jetzt hab ich die 300 km im Sack. Als vor meiner Haustür das Tracking anhalte, zeigt die Kilometeranzeige 300,7 km. Yeah 🙂 was für eine Jahresabschlusstour 2014.

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Back home 🙂 Jahresabschlusstour 2014 Check 🙂

Kettenpeitscher bei der Jahresabschlusstour

Dick vermummt. Trotz zweistelliger Minusgrade an der Mosel hab ich nicht gefroren.

 

7 thoughts on “Bei eisiger Kälte – Jahresabschlusstour 2014

  1. Respekt! Aber wirklich allergrößten!

    Foto-Stopps nerven – ich verwende (wenn ich viel fotografieren will) eine HD Ghost am Vorbau, alle 10 Sek. ein Foto, heißt: beim 25er Schnitt etwa alle 70 m. Da ist so ziemlich alles zu sehen – aber nach so einer Tour (13h) reden wir auch über deutlich mehr als 10 GB Fotomaterial und mindestens 4 Akkus (Ghost-Akku hält – im Sommer – knapp 3 Stunden). Und man sollte natürlich alleine fahren oder in der Gruppe vorne, sonst hat man schnell die größte Lycra-Hintern-Sammlung beinander … 😉

     
  2. Danke für den Tipp, Jochen. Ich bin aktuell auf der Suche nach einer Kamera neben dem iPhone, dessen Akku mich in letzter Zeit bei kälteren Temperaturen öfters im Sich gelassen hat. Selbst bei einem Akkustand von 40 % schaltete sich das einfach ab. Die HD Ghost schau ich mir mal an.

     
  3. Zu solchen Touren bei diesen Temperaturen in dieser Länge habe ich mich noch nicht aufraffen können.
    SOllte man mal ausprobieren 🙂
    Schöner Bericht.

     
    • Danke Lutz, war in der Tat eine sehr besondere Tour, an die ich sehr gerne zurückdenke. Bei den aktuellen Temperaturen wirkt sie fast unwirklich.

       
  4. Pingback: Winterradeln? Na klar, immer radeln! - KettenpeitscherKettenpeitscher

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